Rudolf Fischer im Porträt

Geboren wurde der Schachenthusiast und „alte Kempe“ (Günter Lossa) am 10. September 1900 in Schwiehalm/Kreis Budweis als Sohn eines Oberhegers und einer Hausfrau. Insgesamt gab es fünf Geschwister. Sein Vater stand im Dienste der Fürsten Schwarzenberg, wie bereits Großvater und Urgroßvater, und Rudolf nicht anders. Seine Mutter, eine Hausfrau, verstarb an der Grippeepidemie. Er besuchte die Volksschule in Schwiehalm und die Realschule in Budweis. Danach war er auf der Forstschule in Reichstadt und absolvierte ein Praktikum in Slowenien. In der Forstdirektion Winterberg und Krummau an der Moldau war er als Privatförster angestellt. Nach der Beförderung zum Forstverwalter 1932 heiratete er im folgenden Jahr Luise Schneedörfler aus Winterberg und arbeitete in Mistelholz-Kollern und Jaronin.

Portrait von Rudolf Fischer in jungen Jahren

Rudolf Fischer

1942 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und erlebte bei der Artillerie den Frankreich- und den Rußland-Feldzug. Das Angebot der Tschechen an den perfekt Tschechisch sprechenden Rudolf Fischer, sich 1946 tschechisieren zu lassen, lehnte dieser ab und blieb seiner Heimat nach der Vertreibung am 26. Juli 1946 durch die Mitgliedschaft im Böhmerwaldbund und der Sudetendeutschen Landsmannschaft treu. Vom Lager in Krummau an der Moldau gelangte er per Eisenbahntransport nach Eggolsheim, wo er 1946 bis 1951 wohnte und zugleich in Gößweinstein eine Anstellung fand.

1951 zog er ins Forsthaus Geisfeld, 1962 ins Forsthaus Scheßlitz, wo er als Oberförster tätig war. Auch im hohen Alter und nach schwerem Autounfall bei Eggolsheim kam er immer noch auf Krücken mit der Bahn zum SC Forchheim, um dort in der Mannschaft und im Verein aktiv zu spielen, zuletzt als Ersatzspieler.

Seit 1967 wohnte er nach seiner Pensionierung in der Bamberger Gartenstadt und war auch beim SC Bamberg 1868 öfter zu Gast. Rudolf Fischer galt als Schachidealist, der „scharfe Varianten“ bevorzugte und auch dem Problemschach zugetan war. Zusammen mit dem Forchheimer Rudolf Glenk lieferte er sich in der Rubrik „Schach dem König“ des Bambergers Günter Lossa im Fränkischen Tag regelrechte Duelle um den Titel „Löser des Jahres“. So ist der Ausspruch seiner Ehefrau überliefert: „Mein Mann hat die Schachtollwut!“ Sein Nachbar in der Domstadt, Günter Lossa, berichtet davon, daß er im hohen Alter mit hochgeschobener Brille im Wohnzimmer saß, umgeben von Stapeln von Schach-Zeitschriften, und dort seinem Hobby nachging.

Seine Frau Aloisia (geb. 1911 in Winterberg) starb erst 1994 in Rattelsdorf. Als Walter Hüttl, Gründungsmitglied und von 1983-85 erster Vorsitzender des SC Forchheim, ihn einmal fragte, warum er trotz hohen Alters, trotz Behinderung und trotz der Entfernung zwischen Bamberg und Forchheim immer noch beim SC Forchheim Schach spiele, antwortete der Oberförster a.D. entrüstet: „Sie wollen mich wohl loshaben!“ Konni Scheller, der heutige Vereinswirt des Gasthauses „Roter Ochs“ am Burker Kirchplatz, überliefert, daß er bei einer Vereinsmeisterschaft vom Oberförster erfahren habe, dieser habe, bedingt durch einen Krankenhausaufenthalt, mit dem Schachspiel begonnen.

Sein 1934 geborener Sohn Helmut lebt seit 1965 in Maseru, der Hauptstadt von Lesotho, seine Cousine in in Stadtallendorf an der Lahn in Hessen. Rudolf Fischer war bereits seit 1947 aktiver Spieler beim VfB Forchheim 1861 (bis 1972) und danach bei der SpVgg Jahn Forchheim (1972-1977) im Aufgebot. Er war außerdem Gründungsmitglied des SC Forchheim im Jahre 1977 und blieb bis zu seinem Tode am 17. Januar 1987 im Klinikum Bamberg dem Verein verbunden, der seit 1983 ein nach dem Oberförster benanntes Vereinsturnier ausrichtet. 1982 war er zum Ehrenmitglied ernannt worden.

Autor: Udo Güldner